Die Besonderheiten des Monat Ḏhul-Ḥijjah

بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيْمِ

Die Vorzüglichkeit der ersten Zehn Tage des Monats Ḏhul-Ḥijjah

Der letzte und zwölfte Monat des islamischen Kalenders ist der Monat „Ḏhul-Ḥijjah“ – der Monat der Ḥajj; denn in diesem Monat wird die Ḥajj verrichtet. Die ersten zehn Tage dieses Monats sind äußerst segensreiche Tage im islamischen Kalender und genießen eine besondere Vorzüglichkeit.

Die ersten zehn Tage dieses Monats sind so vorzüglich und heilig, dass eine große Gruppe der Großgelehrten der Meinung ist, dass sie die besten Tage im gesamten islamischen Kalender sind. Andere Gelehrte sind der Meinung, dass die besten Tage die letzten zehn Tage des Monats Ramaḍhān sind. Eine dritte Gruppe sagt, dass die Tage der ersten zehn Tage des Monats Ḏhul-Ḥijjah die besten Tage sind und die Nächte der letzten zehn Tage des Monats Ramaḍhān die besten Nächte sind. Das heißt, die Tage von diesem und die Nächte von jenem. Diese letzte Ansicht scheint mit den diesbezüglichen Versen und Überlieferungen am meisten übereinzustimmen. (Laṭā’iful-Maʿārif 547; Raddul-Muḥtār 7: 109)

Diese ersten zehn Tage sind so heilig und edel, dass Allāh Taʿālā auf sie im edlen Qur’ān schwört. Und es ist nicht zu vergessen, dass Allāh Taʿālā nur auf ganz besondere Sachen seiner Schöpfung schwört:

وَلَيَالٍ عَشْرٍ ٢

„Und bei den zehn Nächten.“

(Sūrah Al-Fajr 89: 2)

Genauso auch sagt Allāh Taʿāla im Qur’ān:

وَيَذْكُرُوا ٱسْمَ ٱللّٰهِ فِىٓ أَيَّامٍ مَّعْلُومَٰتٍ

…und (auf dass sie) Allāhs gedenken an wohlbekannten Tagen….

(Sūrah Al-Ḥajj 22: 28)

Die Mehrheit der Gelehrten ist der Meinung, dass mit diesen Tagen die ersten zehn Tage des Monats Ḏhul-Ḥijjah gemeint sind. (Tafsīr ibn Kaṯhīr; Laṭā’iful Maʿārif 550) Dieser Vers fordert uns dazu auf, an diesen zehn Tagen Allāh Taʿālā viel zu gedenken und Ḏhikr machen. Deswegen sollte sich ein Muslim anstrengen in diesen Tagen viel ʿIbādah (Gottesdienst) zu machen, wie das Lesen von Qur’ān, Ḏhikr, Duʿā, Gebete und Weiteres. Es ist äußerst erwünscht und vorzüglich in diesen Tagen viel ʿIbādah zu machen und auch in ihren Nächten in ʿIbādah wach zu bleiben. Zudem ist es mustaḥabb (erwünscht) am ʿArafah-Tag (dem 9. Ḏhul Ḥijjah, d. h. dem Tag vor dem ʿEid) noch mehr Ḏhikr (Gedenken Allāhs) zu machen als an den übrigen zehn Tagen. (Raddul Muḥtār 4: 302; Laṭā’iful Maʿārif; Al-Aḏhkār lin-Nawawī)

Ḥadīṯhe über die Vorzüglichkeit der zehn Tage

  • Der noble ʿAbdullāh bin ʿAbbās رضي الله عنهما berichtet, dass der Gesandte Allāhs ﷺ sagte: „An keinen Tagen sind die guten Taten besser als an diesen Tagen (d. h. den ersten zehn Tagen des Monats Ḏhul-Ḥijjah).“ So fragten die Ṣaḥābah رضي الله عنهم: „Nicht einmal Jihād im Wege Allāhs?“ Da erwiderte der edle Prophet ﷺ: „Nicht einmal Jihād im Wege Allāhs! Außer eine Person, die (in Jihād geht und) sein eigenes Leben und Vermögen in Gefahr bringt, und mit keinem der beiden zurückkehrt (d. h. beides für Allāh Taʿālā verliert)!“ (Ṣaḥīḥ Bucḫārī 926) In einem anderen Wortlaut dieser Überlieferung heißt es: „Es gibt keine Tage, an denen gute Taten bei Allāh beliebter sind als an diesen Tagen.“ (Sunan Abī Dāwūd 2438; Sunan Tirmiḏhī 757; „ṣaḥīḥ“) In einer ähnlichen Überlieferung heißt es: „An keinen Tagen sind die (guten) Taten schwerer und beliebter bei Allāh als an den zehn Tagen (des Ḏhul-Ḥijjah). Deswegen spricht an diesen Tagen häufig „Lā ilāha illāllāh“ (Es gibt keinen Gott außer Allāh), „Allāhu akbar“ (Allāh ist der Größte) und „Al-ḥamdu lillāh“ (Alles Lob gebührt Allāh)!“ (Musnad Aḥmad 5446) Im Wortlaut der Überlieferung von Imām Aṭ-Ṭabarānī رحمه الله wird auch „Subḥānallāh“ (Rein ist Allāh) erwähnt. (Aṭ-Ṭabarānī fil-Kabīr 11116; Al-Munḏhirī in „At-Targhīb“: „isnād jayyid (gute Überlieferungskette)”)
  • Der Gesandte Allāhs ﷺ sprach: „Die besten Tage der Dunyā sind die (ersten) zehn Tage (des Monats Ḏhul-Ḥijjah).“ (Kaschful-Astār 1128; Al-Munḏhirī in „At-Targhīb“: „isnād ḥasan”)
  • Der edle Prophet ﷺ sagte auch: „Es gibt keine Tage, die bei Allāh besser als die zehn Tage des Ḏhul-Ḥijjah sind.“ (Musnad Abī Yaʿlā 2090; Al-Munḏhirī in „At-Targhīb“: „isnād ṣaḥīḥ”)

Die Vervielfachung der Belohnung

Von den gerade erwähnten Ḥadīṯhen ist deutlich, dass die guten Taten in diesen Tagen die beliebtesten Taten bei Allāh Taʿālā und die schwersten in der Waagschale sind. Weitere Ḥadīṯhe deuten darauf, dass die Belohnung der verrichteten guten Taten in diesen zehn Tagen um ein Vielfaches vermehrt wird. Ein Muslim sollte daher diese einmalige Gelegenheit nutzen und das Beste aus diesen Tagen machen:

  • Der Gesandte Allāhs ﷺ sprach: „Das Wachbleiben in ʿIbādah (Gottesdienst) in jeder einzigen Nacht gleicht dem Wachbleiben in ʿIbādah in der Laylatul-Qadr (der Qadr-Nacht).“ (Sunan Tirmiḏhī 758: „Gharīb“)
  • In einer Überlieferung wird vom edlen Propheten ﷺ berichtet: „Die guten Taten werden in ihnen siebenhundertfach vermehrt.“ (Schuʿabul-Īmān lil-Bayhaqī 3758; Ibn Rajab in „Laṭā’if“: „Die Überlieferungskette enthält Schwäche“)
  • Der edle Anas bin Mālik رضي الله عنه berichtet: „Es wurde (zurzeit der Ṣaḥābah) über die zehn Tage gesagt: ‚Für jeden Tag eintausend Tage und für den ʿArafah-Tag zehntausend Tage.‘“ (das bedeutet, dass die Belohnung jeder Tat um so viel vervielfacht wird)“ (Schuʿabul-Īmān lil-Bayhaqī 3766; Al-Munḏhirī in „At-Targhīb“: „die Überlieferungskette ist ok”)

Das Fasten an diesen Tagen

Es ist erwünscht an den ersten neun Tagen des Ḏhul-Ḥijjah zu fasten:

  • Es wird von einer der Ehefrauen des Gesandten Allāhs ﷺ berichtet, dass der Gesandte Allāhs ﷺ diese zehn Tage zu fasten pflegte. (Musnad Aḥmad 22334; Sunan Abī Dāwūd 2437; Az-Zaylaʿī in „Naṣbur-Rāyah“: „ḍhaʿīf“)
  • Es wird überliefert, dass der noble Prophet ﷺ sagte: „Das Fasten von jedem Tag dieser (zehn) Tage gleicht dem Fasten eines ganzen Jahres.“ (Sunan Tirmiḏhī 758: „Gharīb“; Sunan ibn Mājah 1728)

Anmerkung: Mit dem Fasten an den ersten zehn Tagen sind die ersten neun Tage gemeint, denn am 10. Ḏhul-Ḥijjah ist das Fasten verboten, da es der ʿEid-Tag ist.

Der ʿArafah-Tag – der 9. Ḏhul-Ḥijjah

Der neunte Tag des Monats Ḏhul-Ḥijjah ist der ʿArafah-Tag. Es ist der Tag, der unmittelbar vor dem ʿEidul-Aḏḥā (dem ʿEid-Tag) liegt. Dieser Tag ist der vorzüglichste und beste Tag im gesamten islamischen Kalender nach der Meinung vieler Gelehrte. Es ist der Tag, an dem der Vers „Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet, Meine Gnade an euch vollendet und euch den Islam zum Glauben erwählt.“ (Sūrah Mā’idah 5: 3) herabgesandt wurde. Es ist dementsprechend der Tag der Vervollkommnung der Religion und der Vollendung Allāhs Gnaden uns gegenüber. Deswegen sagte der edle ʿUmar رضي الله عنه, dass dieser Tag ein ʿEid für die Muslime ist. (Laṭā’iful-Maʿārif 558, 568, 569)

Dieser Tag hat solch eine große Bedeutung und hohe Stellung, dass Allāh Taʿālā in zwei Stellen des edlen Qur’āns auf diesem Tag schwört: In Sūrah Burūj; Vers 3: „Und beim Zeugen und beim Bezeugten“ Und in Sūrah Fajr; Vers 3: „Und beim Geraden und beim Ungeraden (Tag).“ Viele Tafsīr-Gelehrte sind der Meinung, dass mit „dem Bezeugten“ und auch mit „dem Ungeraden (Tag)“, beidem, der ʿArafah-Tag gemeint ist. Beides wird auch vom Gesandten Allāhs ﷺ und den Ṣaḥābah رضي الله عنهم überliefert. „Bezeugt“ wurde er genannt, da er von den Engeln und von den frommen Dienern in ʿIbādah bezeugt wird und „Ungerade“ wurde er genannt, da er am 9. Ḏhul-Ḥijjah ist und diese Zahl ist eine ungerade Zahl. (siehe Tafsīruṭ-Ṭabarī; Tafsīr ibn Kaṯhīr; Tafsīrul-Jalālayn)

Die Vorzüge des ʿArafah-Tages

  • Der Gesandte Allāhs ﷺ sagte: „Es gibt keinen Tag, an dem Allāh noch mehr Seelen vom Höllenfeuer freisetzt als am ʿArafah-Tag. Und Allāh kommt (an diesem Tag) nahe und sagt zu den Engeln, wobei er seinen Stolz auf Seine Diener (die ʿIbādah machen) vor den Engeln zeigt: ‚Was wollen diese Diener (von mir)?‘“ (Ṣaḥīḥ Muslim 1348)
  • Der edle Prophet ﷺ sprach: „An keinem Tag, außer dem Tag von Badr, wurde Schayṭān noch kleiner, geschlagener, erniedrigter und zorniger gesehen als am Tag von ʿArafah. Dies ist nur wegen dem (übermäßigen) Herabkommen der Barmherzigkeit Allāhs und wegen dem Vergeben Allāhs von den großen Sünden.“ (Mu’aṭṭā Imām Mālik 1461; Az-Zaylaʿī in „Tchrījul-kas-schāf: „ṣaḥīḥ“)
  • Der Prophet Allāhs ﷺ sagte auch: „Der Tag von ʿArafah ist ein Tag, wer an ihm seine Ohren, seine Augen und seine Zunge (vor Sünden) zügelt, dem wird vergeben.“ (Musnad Aḥmad 3041; Al-Būṣīrī in „Itḥaful-Chiyarah“ und Al-Munḏhirī in „At-Targhīb”: „isnad ṣaḥīḥ“)
  • Der edle Anas bin Mālik رضي الله عنه berichtet: „Es wurde (zurzeit der Ṣaḥābah) gesagt: ‚Für den ʿArafah-Tag zehntausend Tage.‘“ (das bedeutet, dass die Belohnung jeder Tat an diesem Tag um zehntausend Mal vervielfacht wird.) (Schuʿabul-Īmān lil-Bayhaqī 3766; Al-Munḏhirī in „At-Targhīb“: „die Überlieferungskette ist ok”)

Duʿā und Ḏhikr am ʿArafah-Tag

Von allen ʿIbādāt sollte am ʿArafah-Tag im Besonderen viel Duʿā und Ḏhikr gemacht werden:

  • Der Gesandte Allāhs ﷺ sprach: „Das beste Duʿā ist das Duʿā am ʿArafah-Tag.“ (Mu’aṭṭā Imām Mālik 621; Sunan Tirmiḏhī 3585; Al-Munḏhirī von Imām Tirmiḏhī: „ḥasan gharīb“)
  • Das Duʿā, das der Gesandte Allāhs ﷺ am Tag von ʿArafah am meisten machte, war:

لَا إِلٰهَ إِلَّا اللّٰهُ وَحْدَهُۥ لَا شَرِيْكَ لَهُ، لَهُ الْمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ، بِيَدِهِ الْخَيْرُ، وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيْرٌ

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